Micky´s Meerforellenpremiere
Datum: Freitag 30 März 2007 23:09:03
Thema: Spinnangeln


    
Mickys Meerforelle Es ist mal wieder Montag, genau der Tag, den jeder Arbeitnehmer eigentlich am meisten hasst. Die Mittagspause hab ich mal wieder dafür genutzt ein bisschen im Internet zu surfen um die Windverhältnisse zu prüfen, da Fiete sich für Dienstag zum Meerforellenangeln angekündigt hat. Genau, jener ominöser Fisch, den ich bis dato nur aus Büchern und Erzählungen anderer kenne.
Während ich so nachdachte an welchen Strand wir am Dienstag fahren könnten, kam mir die Idee, es doch nach Feierabend noch mal ein Stündchen zu versuchen. Ich wollte zudem gleich mal die neue Schnur testen die ich am Freitag zuvor hab aufspulen lassen. Zudem hat José mir noch „seinen“ Topblinker untergejubelt, O-Ton, “ Damit fängst Du garantiert!“ Ja ja, dachte ich mir, das haben mir schon so viele „Experten“ gesagt mit was ich 100%ig Erfolg haben werde...


Ich also nach Feierabend ab nach Hause, fix die Angelsachen eingepackt und dann ab nach Weißenhaus. Auf der Fahrt nach Weißenhaus hab ich mir dann überlegt, es einfach mal wieder am Einlauf vom Oldenburger Graben zu versuchen und nicht wie sonst immer direkt an der Steilküste. Dort habe ich schließlich vor bummelig 3 Jahren auch schon mal ne kleine MEFO am Haken gehabt, die sich dann aber selbst Longline released hat.

Auf dem Deich kam mir dann ein befreundeter Angelkollege entgegen der es zuvor schon 2 Stunden vergeblich versucht hatte, ne MEFO zu erwischen. Die Stimmung sank nach seinem kurzen und ernüchternden Bericht mal wieder etwas tiefer, aber ich bin ja nun auch nicht ausschließlich zum Fische fangen ans Wasser gefahren.

Am Strand angekommen tat sich eine leichte Brandung auf, die es ermöglichte, auf einer schmalen Sandbank ungefährdet ins Wasser zu gehen. Nach nur wenigen Würfen musste ich allerdings feststellen, dass vorne an reichlich Treibgut im Wasser war. Ich musste also mehr schräg zum Wind werfen, damit der Blinker etwas weiter flog. Doch auch das brachte keinen Erfolg. Nach nur wenigen Kurbelumdrehungen wurde Blinker schwerer und war voller Kleckerradatsch. So versuchte ich es dann mal direkt am Graben, was aber vom Ergebnis her auch nicht viel besser war.

Ich also wieder raus auf die Sandbank, um es erneut im Freiwasser zu versuchen. Kaum 2-3 Würfe später war plötzlich die Rute krumm. Der Wurf ging vorher ziemlich weit raus. Mein erster Gedanke: „Mist, ich häng in einer Krautbank fest“. Doch plötzlich spürte ich zwei härtere Schläge in der Rutenspitze und die Schnur wanderte plötzlich irre schnell nach links weg. Ich erinnere folgende Worte die ich zu mir selber gesprochen habe: „Nee, ich hab ´nen Fisch dran!“

Meerforelle


Gut, dachte ich mir, nun nix falsch machen und den Fisch landen. An eine Meerforelle wollte ich spontan nicht denken, aber ein Dorsch verhält sich ja nun auch definitiv anders. Die ersten Meter Schnur ließen sich dann auch noch ganz einfach einkurbeln, also eher untypisch für das, was ich sonst so über Meerforellenfänge gelesen habe. Doch dann ging der Tanz los. Ein eleganter Sprung aus dem Wasser und ich wusste nun, wer da am anderen Ende meinen Blinker probieren wollte. „Nicht gerade klein“ war meine Gedanke, und meine Adrenalinspiegel schoss senkrecht nach oben.

Die MEFO zog dann aus dem tieferen Wasser über die flache Sandbank, direkt dort hin, wo die Wellen brachen. Ungünstige Stelle (so meine Gedanken), also sanft Schnur geben und der Fisch zog wieder Richtung Dänemark ab. So ging das Spielchen 2-3-mal. Ich griff dann nach hinten um meinen Kescher schon mal startklar zu machen. Wenn man aufgeregt ist, dann kann man schon verzweifeln, wenn man den Griff nicht sofort zu fassen bekommt. Nachdem ich den Fisch dann nach wenigen Minuten direkt vor mir hatte wollte ich ihn Keschern. Das wollte sich die Lady allerdings nicht gefallen lassen und zog mir dann fix mal einige Meter Schnur von der Rolle.

Meerforelle aus Weißenhaus

Kescher hab ich sofort instinktiv fallen lassen und die Bremse sanfter eingestellt. Nach dieser Flucht Bremse zu und wieder rankurbeln. Dann folgten direkt hintereinander der zweite und dritte Sprung und ich konnte sehen, dass der Blinker links im Maul hing. Meine Pumpe leistete in diesem Moment Höchstarbeit. Bloß jetzt nicht mehr den Fisch verlieren. Witziger Weise machte ich mir aber auch enorme Gedanken darum, ob da jemand am Strand steht, der mich bei meinem Getue beobachtet. Als ob ich keine anderen Sorgen hätte…

Die MEFO ließ dann aber urplötzlich nach und ließ sich ohne Probleme bis auf ca. 2 Meter rankurbeln. Der Griff zum Kescher funktionierte diesmal reibungslos. Den Kescher also halb eingetaucht die Rute angehoben, den Fisch rübergezogen und Kescher hochgerissen. DRIN !!!

Meerforelle aus Weissenhaus

Ein Urschrei kam über meine Lippen und ich wackelte mit zittrigen Knien ans Ufer. Dort hab ich dann das Tierchen „verarztet“, mein Handy rausgezückt, ne kleine Fotoserie gemacht und erst mal geschwind HALB Deutschland angerufen um von meinem Fang zu berichten. Natürlich hab ich auch José angerufen und mich für den TOP BLINKER bedankt. Ich konnte zwar kaum meine Telefon richtig bedienen, denn meine Finger waren EISKALT. Aber in dem Moment störte mich das ehrlich gesagt nicht die Bohne.

Nach einem Siegerzigarettchen, bin ich dann noch mal mit einem dazu gehörenden Siegergrinsen kurz ins Wasser, hab aber nach nur 2 Würfen gedacht: „Micky, was willst Du jetzt noch? Es reicht für heute, mach Feierabend!“

Das habe ich dann auch gemacht und bin STOLZ WIE BOLLE mit 67 cm Frischfisch nach Hause gefahren.

Eines kann ich Euch sagen: Dieses erlösende Gefühl, nach bummelig 3 Jahren, gefühlten 8.765 Würfen, mit zeitweise mal mehr und mal weniger intensiven Versuchen, ENDLICH die erste Meerforelle gefangen zu haben ist einfach nur GEIL – besser lässt sich das nicht in Worte fassen.

Die nächsten Versuche werde ich nun allerdings sehr gelassen angehen können... *grins*

Meerforelle

    





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