In der Brandung wird gezittert ...
Datum: Montag 08 März 2004 19:19:21
Thema: Brandungsangeln


Was soll diese Überschrift denn, werden sicherlich viele von Euch fragen.
Wir eingefleischten Brandungsangler zittern doch nicht beim Brandungsangeln und
wenn ja, dann haben wir uns mit Sicherheit falsch angezogen.
Natürlich will ich hier nicht über die Kleidung beim Brandungsangeln schreiben,
da weiß sowieso jede(r) selbst, was für sie/ihn das Richtige ist.
Ich möchte Euch heute eine Ergänzung für Eure Brandungsruten vorstellen, die mir
als ebenso Friedfischangler schon viel länger bekannt ist, als ich selbst das Brandungsangeln
ausübe, nämlich das Angeln mit der "Zitterspitze" ...
Zitterspitze


Wer kennt es nicht, das Gefühl, ein lange geplantes Brandungsevent und man sitzt einem
Strand, den man sicht nicht aussuchen konnte oder aber durch die Lage nur auf der
windabgewandten Seite befischen kann, oder es ist einfach gar kein Wind.
Kein schönes Gefühl, denn folgende Gedanken schwirren einem so durch den Kopf:
- Die Fische stehen weit draußen, um überhaupt welche in der Ferne zu fangen, muß ich wohl
die Spulen mit geflochtener Schnur auf meine Rollen montieren, um weiter werfen zu können.
- Ich habe nur relativ kräftige Ruten, an denen ich zarte Bisse kaum oder nur sehr schlecht
sehe und die Fische durch die geringe Dehnung der geflochtenen Schnur sofort Widerstand spüren und
wieder loslassen.
- Fische ich mit durchhängender Schnur behindert mich auch nur die geringste Drift
bzw. Wasserbewegung beim Angeln mit 2 Ruten (Verhedderungsgefahr).
- Ich habe einen ziemlich ruhigen Angelabend, weil ich weiß, dass bei diesem Wetter eh
nicht viel los sein wird.
- Ich habe eine Menge Würmer und ärgere mich, weil ich die Hälfte hätte sparen können,
mußte sie aber eine Woche vorher schon verbindlich bestellen.

Guter Rat ist nun teuer, wie erhöhe ich die Chancen, wenigstens die Fische landen zu
können, die sich an meinem Köder zu schaffen machen und mir nicht für jede Wettersituation
Ruten zulegen zu müssen, die dafür geeignet sind. Das ist nämlich nicht nur teuer, sondern
auch ziemlich platzintensiv im Rutenfutteral.

Genug der Vorrede, wenden wir uns dem eigentlichen "Korpus delikti" zu, der sogenannten
"Multifunktions-Brandungsrute", die ich beim Brandungsangeln bei schwerer See, aber auch
bei Ententeichwetter einsetzen kann.
Wie sieht diese nun aber aus?
Ganz einfach, das einfache, aber geniale, Prinzip ist schnell erklärt, dabei gibt es 2 Möglichkeiten:
Variante 1:
Wir tauschen unseren Spitzenring gegen einen speziellen Ring aus, der auf der Oberseite eine Hülse besitzt,
die dann später die Zitterspitze aufnehmen soll. Woher bekommen wir diesen Ring? Keine Ahnung, es gibt ihn, aber
ihn zu beschaffen scheint mir fast aussichtslos.
Variante 2:
Wir geben unsere Ruten einem Rutenbauer, der genau unsere Anweisungen befolgt und weiß, welche
Materialien er zu verwenden hat und erfreuen uns an dem Ergebnis oder bauen selbst.
Folgendes Material wurde beim Umbau meiner 2 Zebco Worldchampion 2, IM 8
verwendet:
- 2 Hülsen aus Kohlefaser von je etwa 5,5 cm Länge (Innendurchmesser etwas gößer als Knicklichtdruchmesser (4,5 mm)
- 2 Vollglasspitzen, wie sie zum Stippen verwendet werden, von ca 1 m Länge, die Särke muß man ausprobieren.
- 2 kurze Stücken Edelstahldraht mit 1-1,5 mm Durchmesser
- Rutenbindegarn
- Rutenlack
- 2 kurze Stücken Schrumpfschlauch, ca. 2,5 cm lang
- 2 Knicklichthalter für die Zitterspitzen (optional)
- Heißkleber

Der Bau gestaltet sich folgendermaßen:
1. Lösen und Entfernen des Spitzenringes (vorsichtig erhitzen!).
2. Schrumpfschlauch auf die Rutenspitze schieben.
3. Spitzenring mit Heißkleber (bitte nicht mit Sekundenkleber!) befestigen.
4. Kohlefaserhülse auf der Rutenspitze knapp unterhalb des Spitzenringes mittels Bindegarn
befestigen, die Hülse selbst muß sich genau 180° versetzt zum Spitzenring befinden.
5. Knicklicht von unten in die Hülse schieben, Schrumpfschlauch auf das andere Ende
des Knicklichte schieben, so dass noch mindestens die Hälfte des Knicklichtes zu sehen ist

Zitterspitze

und diesen auf Rutendurchmesser vorsichtig schrumpfen. Wichtig, der Schrumpfschlauch muß
verschiebbar bleiben.
6. Hülse lackieren.
7. Große Öse (ca. 8 mm Durchmesser) aus Edelstahldraht biegen, welche etwa zu einem Drittel offen bleibt.
8. Öse mittels Bindegarn an der Spitze der Zitterspitze befestigen, diese muß eventuell noch je
nach gewünschter Aktion eingekürzt werden.
9. Bindung lackieren.
10. Alles trocknen lassen und fertig :)

Der erste Test am Wasser kann nun beginnen.
Hoffen wir nun, dass wir mal so richtig Ententeichwetter haben, damit wir den Erfolg unserer
"Konstruktion" sehen können. Das Auswerfen der Montage gestaltet sich als nicht allzu schwierig,
Verhedderungen um die Hülse sind eher nicht zu erwarten. Ich empfehle, das Knicklicht nach dem
Angeln einfach drin zu lassen, wenn man beim nächsten Trip mal nur im Hellen fischen möchte.
So beugt man eventuellen Schnurschlaufen, die sich manchmal um die Spitze legen wollen, vor

Zitterspitze

An der Zitterspitze befestigt man ein Knicklicht mittels eines kleinen Halters oder wie
ich, einfach mit durchsichtigem Klebeband.
Wenn sich die Montage im Wasser befindet und gestrafft ist, schiebt man die Zitterspitze in die
Hülse und dreht sie so das das offene Ende des Ringes leicht nach oben zeigt und hängt die Schnur
einfach dort ein. Die Rute kann nun in die richtige Position des Rutenhalters gebracht und
die Biegung der Zitterspitze entsprechend eingestellt werden. Die Spitze erlaubt es auch,
ein 200 Gramm schweres Blei über den Boden zu ziehen, sie bricht nicht durch :)
Sollte sich ein Fisch am Köder zu schaffen machen, es ist wirklich jeder Zupfer zu sehen, und
wir den Anhieb setzen wollen, nimmt man die Rute auf und dreht diese so um eine halbe Drehung,
so das die Schnur aus dem Ring der Zitterspitze aushakt und kann den Fisch landen. Die Zitterspitze
verbleibt während des Drills an der Rute und wird erst beim erneuten Auswurf entfernt.
Keine Sorge, diese ganze Prozedur ist auch im Dunkeln mit nur wenig Übung erlernbar.
Wichtig ist, dass sich die Öffnungen der offenen Ringe bei allen Spitzen in der gleichen Richtung befinden, so dass
man sich nicht merken muß, wie herum die Rute denn nun gedreht werden muß, das gibt dann
mit Sicherheit ein absolutes Chaos.

Zitterspitze

Bleibt jetzt eigentlich noch die Frage offen, wohin mit den Spitzen, beim Auswurf?
Auf den Boden legen? Da halten sie sicherlich nicht allzu lange.
Immer ins Zelt bringen? Zu umständlich.
Da fällt mir doch sogar schon was ein, aber dazu beim nächsten Mal ;)

Getestet wurden die Spitzen sogar bei Wind der Stärke 3-4 leicht schräg von vorn,
die Bisse waren noch sehr gut zu erkennen, obwohl die Zitterspitzen doch schon eine
ordentliche Biegung hatten. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Spitzen beim Angeln mit
geflochtener Schnur den Wasser- und Winddruck ein wenig aus der Schnur nehmen. Von diesem
Nachteil lassen sich ja sonst viele vom Angeln mit Geflochtener abschrecken, ich normalerweise
nicht und jetzt schon gar nicht mehr.

Und nun aber "losgezittert" ...

Euer Karsten

P.S. Ich übernehme natürlich keine Garantie für die Funktionsweise oder eventuelle Schäden an Rute oder Schnur, die Beschreibung ist nur ein Vorschlag. Meine Ruten wurden von einem professionellen Rutenbauer umgebaut und sind deshalb auch in der Verarbeitung erstklassig und haltbar umgebaut.





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