Brandungsangeln (Artikel): 3 Berliner in Neuhaus (2004), oder ein Strand ohne Gnade ...
geschrieben von Meeresheini on Montag 01 November 2004 21:03:51
Topic: Brandungsangeln
Seit 6 oder 7 Jahren fahre ich im Herbst an diesen Strand, immer an dem gleichen Wochenende, immer in das gleiche Hotel, doch immer ist alles anders, das Wetter, die Fische und die Eindrücke, die ich nach einer solchen Tour mit nach Hause nehme.
Wir, Norman, sein Opa und ich, wollten es wissen, trotzdem die Berliner Brandungstage auch dieses Jahr wieder ausfielen, haben wir uns am 29.10.2004 auf den Weg nach Neuhaus gemacht.

        

    

    Freitag, 29.10.2004, oder wie wir mal wieder vom Alter lernen konnten ...
Dieser Tag ist immer der anstrengenste, früh aufstehen, bis 14:00 Uhr in die Firma und dann ab in den Berufsverkehr in Richtung Ostseeküste. Ich kam noch ganz gut durch und landete 2einhalb Stunden später im Hotel, in dem Normans
Opa schon ganz aufgeregt auf uns wartete. Norman hatte es mit seiner Familie etwas schlechter erwischt, er stand noch auf der Stadtautobahn im Stau, währenddessen ich schon das Dreieck Wittstock passierte.
Wir machten uns also ohne ihn auf dem Weg zum Strand, obwohl das Wetter eigentlich nicht gerade dazu einlud, Regen und ein frischer Wind aus Ost. Erstaunlicherweise war dieser schon gut besucht, so dass wir ein Stück laufen mußten, für Opa, der das stolze Alter von 70 Jahren schon deutlich überschritten hat, nicht ganz so einfach, aber machbar. Ich baute schnell das Beach Buddy auf, um die Sachen unterzustellen und ehe ich meine Montagen im Wasser hatte, war es auch schon dunkel.

Opa mit seiner ersten Flunder


Wir wollten es uns gerade im Zelt bequem machen, da kamen auch schon die ersten Bisse. Zuerst die Platten, bei mir leider nur Untermaß, dann die Dorsche. Eine Stunde später gesellte sich Norman zu uns. Wir halfen Opa beim Auswerfen, den Rest meisterte er mit einer Bravour, die seinesgleichen sucht. In der Dämmerung bissen die Fische wie doll und verrückt, ich bangte schon um unseren Wurmvorrat, nur zählbares war leider Mangelware. Gegen 20:00 Uhr war der Spuk bei Norman und mir vorbei, er hatte einen maßigen Dorsch und ich zwei, jetzt sollte nämlich Opas Stunde schlagen. Er stand nun genau zwischen uns und es biss bei ihm in einer Regelmäßigkeit, dass uns Angst und Bange wurde. Wir guckten in den Mond und er drillte die maßigen Dorsche. Wir versuchten es auch in seiner Entfernung, aber Fehlanzeige, nur an Opas Ruten hämmerte es pausenlos. So hatte er dann am Ende des Tages, gegen 23:30 Uhr 7 maßige Fische und hat uns damit regelrecht verhauen.

Es kommt nicht immer auf das Gerät an.


Material ist also nicht alles, manchmal stehen die Fische doch vor unseren Füßen und nicht jenseits der zweiten Sandbank.


Samstag, 30.10.2004, oder wir können wohl doch noch angeln ...
Die Wetteraussichten hörten sich ganz gut an, der Ostwind sollte langsam über Nordost auf Nord drehen und uns damit genau ins Gesicht blasen, das versprach Fisch, denn nichts ist schlimmer in Neuhaus, als Vollmond und ruhiges Wasser.
Durch das trübe Wetter war der abnehemende Vollmond zwar nicht zu sehen, aber am Freitag war es doch sehr hell am Strand, so dass wir die Lampen eigentlich
nur zum Beködern brauchten.

Norman mit Flunder.


Aber Neuhaus wäre nicht Neuhaus, wenn erstens das Wetter anders werden würde, als angesagt und zweitens sich die Fische um das scheren würden, was wir Brandungsangler uns so gemeinhin als gutes Brandungswetter vorstellten.
Es kam nämlich anders, der Wind schlief schon am Nachmittag völlig ein, wir hatten aber trotzdem eine gute Brandung, das Wasser war sehr klar und regnen tat es auch nicht.
Um noch einen guten Platz zu erwischen, gingen wir schon um 15:30 Uhr an den Strand und bauten unsere Angeln etwa 50 links vom Hotel auf.
Heute steckte ich meine Zitterspitzen auf, um wirklich keinen Biß zu verpassen und gegen 16:15 Uhr zupfte es ganz leicht an der linken Rute. Nach 5 Minuten
wollte ich mal sehen, was das war und da war tatsächlich was ein Dorsch von 47 cm hatte meinen Köder genommen und ist wahrscheinlich darüber eingeschlafen ;)
Bei Opa tat sich heute leider nicht soviel, denn es fehlte die Wurfweite.

Steven als zukünftige Brandungsangler-Generation?


Ich selbst konnte die Fische nur mit absoluten Gewaltwürfen erreichen, 130 - 150 Meter mußten es schon sein, lange Nachläufermontagen (Einzelhakensystem) hatten heute einen deutlichen Vorteil gegenüber den am Vortag erfolgreichen kurzen Doppelhakensystemen.
Und die Fische bissen sehr vorsichtig, Norman war am Verzweifen, es biss wirklich gut, nur dran war immer kein Fisch. Durch meine Zitterspitzen spürten die Fische scheinbar nicht solch einen starken Widerstand, ich mußte zwar nach dem Biß auch eine Weile warten, meistens hingen die Fische aber.
Um 23:00 Uhr packten wir ein und zählten am Ende bei Opa einen Dorsch und einen Butt, bei Norman 2 Dorsche und 2 Butt und bei mir 8 Dorsche und 3 Butt. Für mich das
erfolgreichste Angeln in Neuhaus überhaupt. Dazu gab es noch reichlich untermaßige Dorsche und Platten, die Größe der maßigen Dorsche bewegte sich um die 40 cm, richtig große fehlten leider.

Norman in action ...


Fazit:
Der Strand in Neuhaus, so unscheinbar er aussieht, verzeiht keine Fehler. Man muß die Fische suchen und läuft dabei oft die Gefahr sie zu überwerfen. Es gibt auf jeden Fall
Stellen, die besser sind als andere, ein Blick von der "mörderisch" hohen Düne (besonders beim Rückmarsch) hilft hier ungemein, sich ein gutes Plätzchen zu suchen. Vom Hotelparkplatz nach links kommt die zweite Rinne etwas dichter unter Land und ist dabei zu bevorzugen.
Hier kann man ruhig mal die Plätze direkt am Strandzugang testen, denn hinter der breiten Sandbank wird der Untergrund richtig schön unruhig und bringt meist immer
Dorsche. Weite Würfe sind bei wenig Wind nötig, bei guter Brandung bringt die Rinne vor der Sandbank ordentlich Fisch.

Top-Montage am Samstag, Nachläufer mit Perle gelb/rot.


Die Würmer, bei 20 Cent pro Stück schon eine kleine Investition, waren am Freitag eine Katastrophe, einfach nur alt, am Samstag wesentlich frischer und sehr gut zu angeln.
Unsere Ära in Neuhaus ist nun zu Ende gegangen, wir wollen in den nächsten Jahren andere Strände in der weiteren Umgebung kennenlernen. Um es auch ganz deutlich zu sagen, wir sind nicht mehr bereit, in der Nebensaison Preise für ein Einzelzimmer zu bezahlen,
für die ich in anderen Gegenden eine große Ferienwohnung bekomme.




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