Bootsangeln (Veranstaltungen): Berliner Meeresanglertage 28.04. - 01.05.2006 - Bootsangeln
geschrieben von Meeresheini on Sonntag 07 Mai 2006 22:36:47
Topic: Bootsangeln
Christian, Gisela, Norbert Einem glücklichen Umstand verdanken wir unsere Teilnahme an der diesjährigen Berliner Boot, es sollte die Brandung und die Boot an einem Wochenende durchgeführt werden, auch noch an einem Wochenende, an dem wir unseren Frühjahrsurlaub auf Fehmarn geplant hatten. Wir nutzten die Chance und meldeten uns zum "Hardcore-Angeln" an, Freitag/Samstag Brandung, Sonntag/Montag Boot. Wenig Schlaf stand uns bevor, aber 4 Tage am Stück nur ans Angeln denken, das ist doch was.
Über das Brandungsangeln gibt es aus meiner Sicht nicht allzuviel zu berichten ;), ich hatte ein schlechtes Wochenende erwischt, im Bootsangeln sollte es doch hoffentlich besser laufen. Über das Brandungsangeln wird bestimmt noch unser erfolgreichster Berliner, unser Brandi, ausführlich berichten.
Unsere Organisatoren hatten die "Seeteufel" in Heiligenhafen für 2 Tage voll gechartert, die 28 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten auf dem Kutter ausreichend Platz, einer fischreichen Tour stand also nichts mehr im Wege.


Da ich das Naturköderangeln vom Angelkutter noch nie in dieser Form durchgeführt hatte, nutzte ich die Chance und ließ mich von unserem Partner und Meister Marcel Martins ausführlich einweisen und mit einer Naturköderrute und den besten Vorfächern ausstatten. Eine halbe Nacht verbrachte ich noch mit der Herstellung von Mündschnüren und weiteren Vorfächern und konnte so gut vorbereitet unseren Berliner Spezis das Fürchten lehren ;)

Eröffnung


Pünktlich um 07:30 Uhr verließen wir am 30.04. den "Heiligen Hafen" und fuhren in Richtung Norden, ließen Fehmarn westlich liegen und durften nach etwa 2 Stunden langsamer Fahrt das erste Mal unsere Naturködermontagen auf dem Ostseegrund ablegen. Da ich inzwischen den Kutterausfahrten auf der Ostsee sehr kritisch gegenüber stehe, habe ich selbstverständlich die Gelegenheit genutzt und mir mit Hilfe eines Pocket-PCs, eines GPS-Empfängers und einer elektronischen Seekarte einen Überblick über unser "Fanggebiet" verschafft. Wir stoppten bei etwa 12 Metern Wassertiefe und fingen erstmal nichts. Das änderte sich prinzipiell auch nicht großartig, wir kurften so in der Gegend herum, es kam so der eine oder andere Fisch an Bord, sogar ich schaffte es, eine 39 cm lange Kliesche von meinen Vorfächern zu überzeugen. Die Drift war kaum spürbar, man konnte sogar in der Andrift mit 350 Gramm "gut" angeln. Nach dem Platzwechsel und einer durch die sehr freundliche Besatzung zügig ausgeschenkten Suppe hofften wir auch auf einen Wechsel des Fanggebietes, aber weit gefehlt, ein Blick auf die Seekarte verriet, wir verharrten immer noch im gleichen Gebiet.

Fische messen


Viel mehr gibt es auch nicht zu berichten, soweit ich mich erinnere war unser fleißigster Angler Norbert Lähn mit 5 Fischen deutlich in Front, leider gab es auch einige Nichtfänger, schade ...
Die Exori-Naturköderrute und Marcels Vorfächer funktionierten hervorragend, mit etwas mehr Fisch könnte ich mich möglicherweise auch für diese Art der Bootsangelei begeistern, so aber nicht, das ist mir echt zu langweilig.

Brandungsangeln in Marienleuchte unter dem Leuchtturm


Der dritte Tag unserer Meeresangeltage ging also die Hose, so langsam deprimierte mich unsere magere Ausbeute. Harte Männer und echte Meeresangler lassen sich bekanntermaßen von Pleiten nicht abschrecken und so beschlossen Frank, Norman, Helge und ich unsere restlichen Würmer am Abend in Marienleuchte direkt unter dem Leuchtturm zu verangeln. Irgendwann ist es auch egal, wieviel Schlaf einem fehlt, es mußten Fische her. So scheuten wir auch den langen Weg nicht und wurden mit echten Hammerbissen und Dorschen über 50 cm belohnt. Ich fing an diesem Abend mehr Fische, als an den vergangenen 3 Angeln zuvor zusammen. Endlich gab es wieder Bisse, bei denen die Ruten waagerecht im Rutenständer schwebten, so knallten die Dorsche an die Angelruten.

Helge mit Dorsch über 50 cm


Wenige Stunden später fanden wir uns wir an Bord der "Seeteufel" ein und wollten nun endlich beim Pilken ein paar mehr Fische fangen. Da wir am Sonntag als letztes in den Hafen einliefen, durften wir als erstes auslaufen und fuhren wieder in die altbekannte Richtung. Mit einer Fahrt von ca. 14 km/h überholten uns alle später ausgelaufenen Schiffe, erste Bedenken machten sich schon vor dem ersten Stopp breit.
Ein Blick auf den Pocket-PC sollte diese noch nähren, wir landeten an haargenau der gleichen Stelle, wie am Tag zuvor. 2 Stunden nach dem Auslaufen stoppten wir wieder in 12 Metern Wassertiefe. Ich stand relativ weit vorn, warf aus und ehe ich anziehen konnte, war auch schon der erste Dorsch an der Angel, ähnlich erging es Claudia und Rainer. Toll, das ging ja gut los, zweiter Wurf, der nächste Dorsch von über 50 cm landete in der Kiste, alle Bedenken schienen vergessen.
Schienen auch nur, denn nach dieser Drift ging bei mir nichts mehr, außer 3 untermaßigen Fische, den anderen Mitstreitern erging es ähnlich. Es folgten Driften von gut 20 Minuten, in denen kein Fisch gefangen wurde, Drehung auf der Stelle und wieder eine Drift von ähnlicher Länge.
So langsam verließ mich der Mut, ich verlängerte meine Mittagspause und mühte mich danach redlich. In der letzten Andrift machte ich das ganze Gummi-Gebamsel von meinen Vorfächern ab und angelte Pilker pur, 40 Gramm grün/rot und siehe da, ich fing tatsächlich noch einen untermaßigen und einen 61er Dorsch.
Spitze war an diesem Tag Rainer Wenzel mit 6 Dorschen, er fing sogar noch den größten mit 68 cm. Die 28 Anglerinnen und Angler fingen sage und schreibe 47 Dorsche, ein wirklich trauriges Erlebnis. Am meisten Eindruck schindeten jedoch unsere 3 jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die den Großteil der gestandenen Angler regelrecht abangelten, Respekt davor.

Giesela Wenzel


Soviel zu den Fakten, nun dazu, was mich wirklich geärgert hat:
1. Sehr lange und langsame Anfahrt zum Angelplatz
2. Keine Information vom Kapitän über Wassertiefe und Driftgeschwindigkeit
3. Lange Driften
4. Auch bei Nichtfang wurde das Boot gedreht und weiter gefischt
5. 2 Tage lang wurde im gleichen Gebiet geangelt, keine Änderung der Wassertiefe, keine Suche nach Fisch.
6. Ein Privatangler hat vom Oberdeck beide Tage lang über unseren Köpfen gefischt, das passte wirklich nicht, schließlich hatten wir Vollcharter.

Positiv: Die Besatzung in der Kombüse und an Deck war wirklich super freundlich und hilfsbereit.

Fazit:
Für mich steht fest, ich werde meine zukünftigen Ausfahrten noch kritischer beobachten, für die inzwischen gezahlten Charterpreise dürfen wir Angler doch etwas mehr erwarten, als das, was wir am vergangenen Wochenende geboten bekamen. Mich würde es nicht wundern, wenn wir unsere nächsten Berliner Meeresanglertage wieder in Dänemark durchführen werden. Und das dürfte eigentlich nicht im Sinne der deutschen Kutterkapitäne sein.

Euer Karsten

Rainer Wenzel

Norbert Lähn




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